KULTURSCHOCK 03.06.2000


Bilder hier!

Umsonst und draußen findet am 3. Juni 2000 das zweite
KULTURSCHOCK -Festival im Rohrbruchpark statt.
Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr mit bis
zu 2000 BesucherInnen wollen wir dieses Jahr mit
euch ein noch größeres und bunteres Fest feiern!
Los geht's!
Unter Beteiligung internationaler Bands, KünstlerInnen
und zahlreicher Gruppen und Projekte soll das Festival
die Vielfalt und Kreativität alternativer
Lebensentwürfe widerspiegeln. Es geht um ein
politisch-kulturelles Verständnis von Selber-
und Mitmachen und das Interesse, aktiv gegen den
Langeweile-Tod der grauen Alltagswelt anzugehen -
denn Monokultur macht krank! Das kostenlose und
nichtkommerzielle Event wird veranstaltet von
Berliner Basisinitiativen und
unabhängigen Konzertveranstalterlnnen.
Ihr seid alle eingeladen, wenn Euer Kulturverständnis
zu mehr reicht als dem üblichen Einheitsbrei mit
deutsch-nationaler Soße.

»Das Haus«

Wie der Bezirk mit Ansätzen alternativer Jugendkultur
umgeht, ist an dem 1993 von den Jungen Antifaschisten
Hellersdorf besetzten Haus zu sehen. Die Jugendlichen
gründeten 1995 den Verein »Das Haus e.V.« und
schlossen einen Kooperationsvertrag mit dem
Förderverein für Jugend- und Sozialarbeit e.V. (FJS).
In dem Haus wurden regelmäßig Parties, Konzerte und
Veranstaltungen organisiert; es gab einen Proberaum,
ca.150 Jugendliche nutzten es als Treffpunkt. Das Haus
war der einzige nazifreie Jugendclub in Hellersdorf und
die Leute konnten dort selbstbestimmt arbeiten.
Aber: Nach sieben Jahren Nutzung wurde den
Jugendlichen auf einmal mit baupolizeilichen
Begründungen der Zugang zum Haus untersagt und
im Januar 2000 durchgesetzt.
Eine Besetzung am 3. März 2000 wurde von FJS-
Streetworkern der Polizei gemeldet, die daraufhin die
Leute zwang das Haus zu verlassen, sie anschließend
einkesselte und mit Personalienaufnahmen schikanierte.
Nun versucht der Bezirk, die Jugendlichen mit einer
Hinhaltetaktik auszubooten. Diese hatten bei
Verhandlungen ein Nutzungskonzept vorgelegt, welches
jedoch als »utopisch« abgekanzelt wurde.
Wir fordern die Rückgabe des autonomen
Jugendzentrums »Das Haus«!
Kein Platz für Utopien?

Hellersdorf ist eine Schlafstadt mit ca. 130.000
EinwohnerInnen, die in den 80er Jahren am östlichen
Stadtrand hochgezogen wurde. Der Bezirk wird als
grün,friedlich und ideal für die Kleinfamilie
beworben. Parteien und Wirtschaft versuchen, die
Probleme auszublenden und das Image aufzupolieren.
Mit einer EXPO-Außenstelle - dem Sanierungsgebiet
»Das Gelbe Viertel« - soll das Gefühl von
internationaler Bedeutung und wirtschaftlichem
Aufschwung vermittelt werden. Aber das Projekt ist
lediglich eine notwendige Modernisierung weniger
Blocks mit Fördergeldern, die sonst nicht fließen
würden. Auch das 1995 von der »Entwicklungs- und
Gewerbeansiedlungs AG«(MEGA) für 2,2 Milliarden
erbaute »Stadtzentrum« Helle-Mitte steht ganz im
Zeichen von Monokultur. Die vormals bezirkseigenen
zentralen Flächen sind nun privatisiertes Jagdgebiet
für Wachschützer ,die mit Hausrecht ausgestattet das
Areal von allem »säubern«, was den wirtschaftlichen
Interessen des angesiedelten Gewerbes zuwider läuft.
Inzwischen teilen sie sich die Arbeit mit rechten
Jugendcliquen, die entweder einzelne Eingänge oder
das Café im Foyer belagern. Die Mehrheit im Bezirk
lebt gut mit spießigen Lebensentwürfen, Wegsehen
und Schweigen. Tür zu und Schluß!
Dieser Mangel an öffentlichem Leben wirkt sich fatal auf
die dürftige politische Kultur in Hellersdorf aus.
Es gibt kaum selbst gestaltbare Treffpunkte, die nutzbar
wären, vielen bleibt nur das Abhängen auf der Straße,
auf Höfen oder den wenigen leblosen und abgelegenen
Plätzen. Übrig bleiben die wenigen anspruchsvollen aber
isolierten Kulturprojekte auf der einen Seite und das
dumpfe, sich proletarisch gebende Deutschtum einer
Neonaziszene, die sowohl nach Vorherrschaft in
Kleidung und Aussehen, als auch nach Eroberung der
Straße strebt.

Neonazis in Hellersdorf

Die MEGA und der Bezirk geben sich antifaschistisch,
wenn die Gefahr finanziellerEinbußen aufgrund einer
kritischen Öffentlichkeitbesteht. Aber die MEGA verdient
an Läden, die Nazibedarf decken und der Bezirk hat
Verständnis für seine »problematischen« Jugendlichen.
Die Öffentlichkeit und die politisch Verantwortlichen
verharmlosen die Situation. Bei den Wahlen 1999
konnten die rechten Parteien eine erheblichen Gewinn
bei den JungwählerInnen erzielen. Rechts ist bei vielen
Jugendlichen »in« und die Nationaldemokraten (NPD)
sehen mittlerweile in dem Bezirk eine Hochburg.
Es gibt immer wieder Angriffe, Propagandaaktionen und
Einschüchterungen von gut organisierten,
militanten Nazis. Sie stellen eine akute Bedrohung
für AusländerInnen, Andersdenkende, aber auch
»normale« BürgerInnen dar.
In diesem Klima entsteht eine rechte Dominanz, die
Jugendliche dazu zwingt, sich anzupassen oder zu
gehen. Die Neonazis nutzen diese politische Leere aus.
Am 1. Mai 2000 nahmen mehrere Hundert Neonazis an
einer Kundgebung der NPD in Hellersdorf teil.
Kameradschaften und NPD werben und rekrutieren
verstärkt unter den Jugendlichen. Aber Hellersdorf
ist nicht fest in Nazihand.
Es gibt viele Jugendliche, die eigene Vorstellungen
haben und sich gegen diesen Druck wehren. Beim
letzten Kulturschock-Festival hatten die Nazis
nichts zu melden und auch dieses Jahr wird unter
ihren Augen eine Party steigen,
die sie nie feiern werden!

Kulturschock als Alternative

Viele Jugendliche stehen vor der Entscheidung,
sich entweder anzupassen oder die vorgegebenen
Normen zu verweigern.
Wir wollen zeigen, dass Lebendigkeit eine
alltägliche Widerstandsform ist und Spaß macht. Dem vor
allem von der PDS und der Wirtschaft vorgegaukelten
»weltoffenen« Charme werden wir lebendig, laut und
bunt ein subkulturelles Festival entgegensetzen!
Und zwar mit all denjenigen, die nach anderen
Anknüpfungspunkten suchen, als dem vorgezeichneten,
abtötenden Weg dieser Gesellschaft.
Wir greifen die politisch-kulturelle
Einöde Hellersdorfs mit unseren Ideen und einem
gigantisch guten Programm an: Neben internationalen
Bands auf der Hauptbühne werden auf einer zweiten
Bühne Musik, Theater, Akrobatik und Comedy zu sehen
sein. Ab dem Abend beschallen mehrere Soundsystems
den Park mit Hip-Hop und Techno.
Ein Filmzelt und Kinderbetreuung
sind organisiert. Viele politisch und kulturell
arbeitende Gruppen werden mit Info- und
Aktionsständen vertreten sein;
billiges Essen und Trinken gibt es
natürlich auch. Also: kommt und macht mit!

Bands/DJ's

Alec Empire (Berlin)
Bazookas (Hamburg)
Dejavue (Berlin)
Dr.Green (Litauen)
Guts Pie Earshot (Köln)
Harum Scarum (USA)
Lost World (Karlsruhe)
Michaele Schöne & ihr Klezmer-Trio (Berlin)
Ninetynine (Australien)
Patric Catani & Paul PM (Berlin)
Post Regiment (Polen) u.v.a.

Theater/Comedy/Kleinkunst

Elke Fo feat. Wello Rausch
Kreuzdorfer Feuerperformance
Surfpoeten
Verein zur Überwindung der Schwerkraft plus Clowns
Jongleure und AkrobatInnen

Soundsystems
Kindertheater
Filmzelt
Info-und Aktionsstände
billiges Essen und Trinken.

Das Festival soll, neben dem von uns
organisierten Programm, in ein möglichst großes
Straßenfest ausarten, dem die Vielfalt und
Kreativität alternativer Lebensentwürfe anzusehen ist.
Dafür brauchen wir auch Eure Unterstützung!